
Die Leistungsmerkmale eines thermischen Schutzschalters sind abhängig von den Veränderungen der Umgebungstemperatur. Er wird bei höherem Strom und niedriger Umgebungstemperatur sowie bei niedrigerem Strom und höherer Umgebungstemperatur auslösen.
Ein alltäglicher Fehler ist zu meinen, dass bei thermischen Schutzschaltern eine Leistungsherabsetzung im jeden Fall notwendig ist, wenn sich die Umgebungstemperatur verändert. Tatsächlich folgen die Leistungsmerkmale eines thermischen Schutzschalters die Leistungsmerkmale des Gerätes, das geschützt werden soll, bei den gleichen Umgebungstemperaturschwankungen. Zum Beispiel eine Elektromotorenwicklung braucht einen empfindlicheren Schutz bei einer Umgebungstemperatur von 90° C als bei 20° C. Ein kalter Motor braucht einen unempfindlicheren Schutz mit verlängerter Auslöseverzögerung weil, an kalten Tagen sein Anlaufstrom höher ist und länger anhält.
Eine andere irrige Meinung ist, dass die Leistungsmerkmale eines hydraulisch-magnetischen Schutzschalters unempfindlich gegenüber Umgebungstemperaturschwankungen sind. Im Gegenteil, diese Schutzschalter sind mit einem Dämpfungszylinder, der eine Flüssigkeit beinhaltet, ausgerüstet. Diese Flüssigkeit wird dünnflüssiger wenn die Temperatur steigt und zähflüssiger wenn diese abnimmt, was nicht ohne Einfluss auf die Auslöseverzögerung bleibt.
Die Schaltleitung ist der maximale Strom, den ein Schutzschalter sicher trennen kann. Die Schutzschalterhersteller veröffentlichen dieses Merkmal zusammen mit der Anzahl der Trennungen solcher Art die der Schutzschalter widerstehen kann. Zum Beispiel veröffentlicht E-T-A Werte für zwei verschiedene Typen von Schaltleistungen. Der erste wird normales Schaltvermögen Icn genannt. Icn ist der höchste Strom, den der Schutzschalter wiederholt trennen kann (nach IEC934 / EN60934 PC2 mindestens drei Mal). Der Icn Wert ist ein guter Gratmesser für die Qualität eines Schutzschalters. Der zweite Wert ist die Schaltleistung nach UL 1077. Die Schaltleistung nach UL 1077 (oder nach IEC934 / EN60934 PC1) ist der maximale Strom, den ein Schutzschalter mindestens einmal sicher trennen kann, ohne das eine Feuergefahr entsteht.
Um zu verschiedene Normen kompatibel zu sein, müssen Entwicklungsingenieure Schutzschalter mit entsprechend passender Schaltleistung spezifizieren. Leider kann die Anwendung der passenden Norm irreführend sein.
Zum Beispiel verlangt die Norm UL 489 eine Mindestschaltleistung von 5000 A. Dieser Wert passt perfekt für Anwendungen in der Hauptstromverteilung. Allerdings wurde diese Norm einfach in andere Industrieanwendungen übertragen, in denen der Kurzschlussstromwert, bedingt durch erhöhten Leitungswiderstand, sehr viel niedriger ist. Die UL 1077 Norm für Zusatzschutzelemente umfasst die Kurzschlussversuche und zeigt in einer Tabelle, bei welchem Strom der Schutzschalter geprüft wurde.
Wenngleich manche Geräte wie zum Beispiel Leitungsschutzschalter nach UL 489 höhere Schaltleistungen haben, sind diese vermutlich nicht besonders geeignet für Anwendungen bei niedrigen Strömen bei denen eine genaue Auslösung und angepasste Kurzschlussschutz verlangt werden. Geräteschutzschalter nach UL 1077 bieten hier ein besseren Schutz.
Die Telekommindustrie neigt ganz besonders dazu die Schaltleistungen seiner Schutzschalter zu überspezifizieren, weil ein paar Verkäufer von Schutzschalter für Gleichspannung auch den Markt für primäre AC-Stromverteilung mit den gleichen Schutzschaltern versorgen. Auch wenn die Stromstärke in den Telekomapplikationen auf dem ersten Blick hoch zu sein scheint, ist der zu Verfügung stehende Kurschlussstrom wegen den Leitungswiderstände realistisch gesehen wesentlich geringer. In den meisten Fällen reicht bei den Telekommapplikationen ein Schutzschalter mit einer Schaltleistung von 2000 A.
Wenn Sie diese Tipps befolgen, ist es sehr leicht, den passenden Schutzschalter zu den niedrigsten Kosten zu spezifizieren. Starten Sie Ihre Auswahl dadurch, dass Sie Ihre Lasten sehr genau in Augenschein nehmen. Dann entscheiden Sie, welcher Schutzschaltertyp für Ihre Anwendung der passende ist. Vermeiden Sie die alltäglichen Fehler, dann werden Sie einen zuverlässigen Schutz für Ihr Gerät erhalten.