Überstromschutz – Auslegung und Auswahl

1.1 Überströme – Wie sichert man strombegrenzend ab?
Ein Überstrom liegt oberhalb des betriebsmäßigen Lastfalls eines Betriebsmittels. Ein solcher Überstrom ist in zwei Fälle unterscheidbar:
Überlast: Überstrom in elektrisch fehlerfreiem Stromkreis
Kurzschluss: Überstrom in elektrisch fehlerbehaftetem Stromkreis
1.2 Welche Kurzschluss-Kennwerte müssen bei der Auswahl eines Überstromschutzes berücksichtigt werden?
Kennwerte:
- Unbeeinflusster oder auch prospektiver Kurzschlussstrom Ip – Hier mit Scheitelwert 10 kA
- Durchlassstrom Id – Das Eingreifen eines strombegrenzenden Überstromschutzorgans, wie eines Leistungsschalters oder einer Sicherung, begrenzt den Strom auf den Durchlassstrom
- Auslösezeit t1 oder auch Schmelzzeit
- Lichtbogenbrenndauer oder auch Schaltzeit t2 – Nach der Auslösezeit reagiert das Überstromschutzorgan, begrenzt den Strom und zwingt den Strom zu 0 A
- Ausschaltzeit t3 oder englisch „clearing time“ ist die Summe aus Auslösezeit t1 und Schaltzeit t2

1.3 Welche Überstromschutzorgane gibt es bei E-T-A?
Im Fall von gängigen Überstromschutzorganen handelt es sich um Geräteschutzschalter IEC 60934, Leitungsschutzschalter IEC 60947-2 oder Schutzschalterkombinationen mit Sicherungen IEC 60269.
1 zeigt einen Leitungsschalter mit Fähigkeit zur Isolation nach IEC 60947 Teil 2. Das nächste Schaltzeichen 2 ist einer Schmelzsicherung zugeordnet. Abschließend zeigt 3 den Halbleiter-Leistungsschalter oder „Semiconductor Circuit Breaker“ gemäß Entwurf der zukünftigen IEC 60947-10.

1.4 Was sind Elektronikbasierte Leistungsschalter?
Man kann Leistungsschalter nach „Draft IEC 60947-10 Semiconductor Circuit Breaker“ unterscheiden zwischen:
1. „Semiconductor Circuit Breaker - SSCB“ – Leistungsschalter mit Halbleiterschaltern und in Serie geschalteten mechanischen Trennschaltern
2. „Semiconductor hybrid circuit-breaker - SCHCB" – Leistungsschalter mit Halbleiterschaltern und parallel geschalteten Bypassschaltern sowie in Serie geschalteten mechanischem Trennschaltern
1.5 Welche Reaktionszeiten haben E-T-A-Schaltgerät im Kurzschlussfall?
Je nach eingesetzter Technologie der Schaltgeräte reagieren diese im Fehlerfall unterschiedlich auf auftretende Kurzschlüsse. Im Rahmen einer technischen Evaluation ergeben sich folgende Schaltzeiten t2 für E-T-A Schaltkonzepte:
| E-T-A-MCB | Bereich kleiner 10 ms |
| E-T-A-SCHCB-63 A | Bereich kleiner 1 ms |
| E-T-A-SCCB-16 A | Bereich kleiner 5 µs |
(Tabelle: Schaltzeit – ohmsche Last – Maximum 4 A bis 1000 A – Spannung 350 V)
Die Ergebnisse der Analyse werden auf dem Albert-Keil-Kontaktseminar in Karlsruhe im September 2025 vorgestellt. Hier geht's zum Anmeldeportal auf der Website des VDE.



